Ehrlich gesagt, als ich zum ersten Mal von einer organisierten Wanderung des Katholischen Senioren-Forums Miltenberg hörte, dachte ich: „Noch so ein gemütlicher Spaziergang mit Kaffeepause." Dass mich eine gemeinsame Wanderung durch die malerische Landschaft von Eulbach dann so umhauen würde – damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin jetzt seit über fünf Jahren regelmäßig bei den Touren dabei, und ich kann dir sagen: Das ist kein Seniorenausflug von der Stange. Es ist ein Erlebnis, das Körper, Geist und Gemeinschaftsgefühl auf eine Weise verbindet, die ich in keinem Fitnessstudio oder Kaffeekränzchen gefunden habe.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Wanderungen des Senioren-Forums sind barrierefrei gestaltet – aber nicht langweilig. Die Strecken fordern heraus, ohne zu überfordern.
- Eulbach bietet eine einzigartige Mischung aus Kultur und Natur: von historischen Forsthäusern bis zu alten Eichen, die Geschichten erzählen.
- Der soziale Aspekt ist das eigentliche Highlight: 90 % der Teilnehmer geben an, dass sie wegen der Gemeinschaft wiederkommen, nicht wegen der Landschaft.
- Die Organisation ist durchdacht bis ins Detail: von Notfallplänen bis zu vegetarischen Lunchpaketen.
- Einmal im Monat – und der Termin ist immer der zweite Dienstag – steht die Tour an. Keine Ausreden.
- Wer denkt, das sei nur etwas für „alte Leute", liegt falsch: Das Durchschnittsalter liegt bei 72 Jahren, aber die Stimmung ist jung.
Warum gerade Eulbach? Ein verstecktes Juwel im Odenwald
Die meisten Leute, mit denen ich spreche, kennen Eulbach nicht. Dabei liegt es nur eine knappe Stunde von Miltenberg entfernt, im Herzen des Odenwalds. Der Ort ist winzig – vielleicht 200 Einwohner – aber die Landschaft drumherum ist atemberaubend. Als das Senioren-Forum vor etwa acht Jahren beschloss, regelmäßig dorthin zu wandern, war ich skeptisch. „Wieder dieser Wald?", fragte ich mich. Heute muss ich lachen, wenn ich daran denke.
Eulbach ist nicht einfach nur Wald. Es ist ein historischer Wildpark, der bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Die Grafen von Erbach haben hier ein Jagdschloss gebaut, und die alten Eichen – einige sind über 400 Jahre alt – stehen noch heute. Ich erinnere mich an meine erste Tour: Wir liefen an einer dieser Eichen vorbei, und ein Förster, der zufällig vorbeikam, erzählte uns, dass unter diesem Baum angeblich Goethe gerastet haben soll. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Aber die Geschichte hängt mir bis heute nach.
Die Landschaft im Frühling: Ein Farbenspiel, das süchtig macht
Wir wandern das ganze Jahr über, aber der Frühling ist etwas Besonderes. Im April 2024 waren wir auf einer Tour, als die Buchen gerade ausgeschlagen hatten. Das Licht fiel durch die hellgrünen Blätter, und der Boden war übersät mit Buschwindröschen. Eine Teilnehmerin, Frau Müller (82 Jahre alt), blieb plötzlich stehen und sagte: „So etwas Schönes habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen." Genau dafür mache ich das. Die gemeinsame Wanderung durch die malerische Landschaft von Eulbach wird so zu einem Erlebnis, das man nicht in Worte fassen kann – aber man versucht es trotzdem.
Die Streckenführung ist klug gewählt. Wir starten immer am Parkplatz des Eulbacher Forsthauses, einem alten Fachwerkbau, der heute ein Restaurant beherbergt. Von dort geht es auf gut ausgebauten Wegen – keine steilen Anstiege, aber genug Steigung, um den Puls in die Höhe zu treiben. Die längste Tour, die wir gemacht haben, war 8,5 Kilometer lang. Das klingt nach wenig, aber für viele in der Gruppe ist das eine echte Herausforderung. Und genau das ist der Punkt: Es ist machbar, aber nicht trivial.
Die Tour im Detail: Was mich überrascht hat
Ich will dich nicht mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung langweilen, aber ein paar Details sind wichtig. Denn die Organisation ist der Grund, warum ich nach fünf Jahren immer noch dabei bin – und warum die Gruppe von anfangs 12 auf heute regelmäßig 35 bis 40 Teilnehmer angewachsen ist.
Der Ablauf ist immer gleich, aber nie langweilig. Um 9:30 Uhr treffen wir uns am Parkplatz des Forsthauses. Es gibt Kaffee und belegte Brötchen – organisiert von einem Team von vier Freiwilligen, die sich seit Jahren um die Verpflegung kümmern. Um 10:00 Uhr geht es los. Die erste Stunde ist die anstrengendste: ein leichter Anstieg durch den Buchenwald, der sich etwa 80 Höhenmeter hinzieht. Dann erreichen wir eine Lichtung, die wir liebevoll den „Eulbacher Balkon" nennen. Der Blick über das Mümlingtal ist spektakulär. Hier machen wir immer eine erste Pause.
Die Überraschung des Tages: Ein Besuch im Wildpark
Was ich anfangs nicht wusste: Der Eulbacher Wildpark ist ein Freigehege mit Damwild, Wildschweinen und Mufflons. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt, und wenn man Glück hat, kommen sie bis auf wenige Meter heran. Bei einer Tour im Herbst 2023 stand plötzlich ein stattlicher Hirsch direkt neben dem Weg. Eine Frau aus der Gruppe – sie war erst zum zweiten Mal dabei – fing an zu weinen. „Ich habe so etwas noch nie aus der Nähe gesehen", sagte sie. In dem Moment wurde mir klar: Diese Aktivitäten für Senioren sind nicht einfach nur Bewegung. Sie sind ein Fenster zu einer Welt, die viele in ihrem Alltag nicht mehr erleben.
Die zweite Hälfte der Tour führt uns am Wildgehege entlang, vorbei an alten Grenzsteinen aus dem 19. Jahrhundert, und dann zurück zum Forsthaus. Insgesamt dauert die Wanderung etwa drei Stunden, inklusive Pausen. Und das Beste: Jeder kann mitmachen. Wir haben Teilnehmer mit Rollatoren, die die Strecke auf den Hauptwegen bewältigen, und andere, die mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs sind. Die Gruppe passt sich an. Das ist kein Wettbewerb, sondern eine Découverte de la nature, die alle einschließt.
Gemeinschaft als Motor: Warum ich jedes Mal wiederkomme
Ich will ehrlich sein: Die Landschaft ist toll, aber sie ist nicht der Grund, warum ich seit fünf Jahren komme. Der Grund sind die Menschen. Das Katholische Senioren-Forum Miltenberg ist mehr als eine Wandergruppe. Es ist eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig trägt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich erinnere mich an eine Tour im November 2023. Es hatte die ganze Nacht geregnet, und der Weg war matschig. Eine Teilnehmerin, Frau Schneider (76), rutschte aus und verstauchte sich den Knöchel. Innerhalb von Sekunden waren drei andere da, halfen ihr auf, einer holte ein Notfallset aus dem Rucksack, und ein anderer rief per Handy das Forsthaus an, um einen Wagen zu organisieren. Keine Panik, keine Hektik – einfach gelebte Solidarität. Frau Schneider war am Ende der Tour nicht verärgert, sondern gerührt. „Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Freunde habe", sagte sie.
Die Zahlen, die überzeugen: Was eine Umfrage ergab
Im Jahr 2024 haben wir eine kleine interne Umfrage gemacht. Von 38 regelmäßigen Teilnehmern gaben 92 % an, dass der soziale Kontakt der Hauptgrund für ihre Teilnahme sei. Nur 8 % nannten die Landschaft als primären Motivator. Das hat mich überrascht – und dann auch wieder nicht. Denn was wir in diesen Touren erleben, ist eine Form der Événements communautaires, die in unserer alternden Gesellschaft immer seltener wird. Es ist ein Ort, an dem man nicht einsam ist. An dem man Geschichten teilt, hilft, wenn jemand Hilfe braucht, und einfach da ist.
Und das Schöne: Die Gruppe ist offen für alle. Du musst nicht katholisch sein, um mitzumachen. Du musst nicht aus Miltenberg kommen. Einmal kam ein Ehepaar aus Aschaffenburg – 45 Kilometer entfernt –, das von einer Freundin von der Gruppe gehört hatte. Sie sind seitdem Stammgäste.
Praktische Tipps: Was ich aus fünf Jahren gelernt habe
Nach über 60 Touren habe ich ein paar Dinge gelernt, die ich dir gerne mitgeben möchte. Denn eine Randonnée en groupe ist anders als eine Wanderung allein. Hier sind meine wichtigsten Erkenntnisse:
- Schichtkleidung ist Pflicht. Der Odenwald hat sein eigenes Mikroklima. Es kann sonnig sein, und zehn Minuten später zieht Nebel auf. Ich trage immer eine leichte Fleecejacke über einem Funktionsshirt – und eine Regenjacke im Rucksack. Auch wenn die Wetter-App blauen Himmel zeigt.
- Gutes Schuhwerk ist nicht verhandelbar. Ich habe am Anfang Turnschuhe getragen. Großer Fehler. Nach 4 Kilometern hatte ich Blasen. Heute schwöre ich auf Wanderschuhe mit Profilsohle. Ein Teilnehmer schwört auf seine Gummistiefel – aber das ist Geschmackssache.
- Eine Trinkflasche und ein kleiner Snack gehören immer dazu. Auch wenn das Forsthaus am Ende wartet. Der Körper braucht unterwegs Flüssigkeit, besonders im Alter. Ich nehme immer eine Flasche Wasser und ein paar Nüsse mit.
- Der zweite Dienstag ist heilig. Die Touren finden immer am zweiten Dienstag im Monat statt. Keine Ausnahmen. Das schafft Verlässlichkeit. Ich blockiere mir diesen Tag schon Monate im Voraus.
- Kamera nicht vergessen. Klingt banal, aber die Paysages pittoresques in Eulbach sind es wert, festgehalten zu werden. Die Gruppe hat inzwischen ein eigenes Fotoalbum auf einer Cloud-Plattform – geteilte Erinnerungen, die uns verbinden.
Was ich anders machen würde: Ein ehrlicher Rückblick
Ich habe auch Fehler gemacht. Am Anfang war ich zu ehrgeizig. Ich dachte, ich müsste die Gruppe führen, das Tempo vorgeben, die Route erklären. Heute weiß ich: Die Gruppe führt sich selbst. Die erfahreneren Wanderer helfen den Neulingen, die Langsameren bestimmen das Tempo, und die Gespräche entstehen von selbst. Meine Aufgabe ist es, den Rahmen zu setzen – und dann loszulassen. Das war eine harte Lektion, aber eine gute.
| Aspekt | Allein unterwegs | Mit dem Senioren-Forum |
|---|---|---|
| Sozialer Kontakt | Keiner (oder minimal) | Intensiv, oft lebensverändernd |
| Sicherheit | Eigenverantwortung | Gruppe hilft bei Notfällen |
| Streckenlänge | Frei wählbar | 8,5 km (angepasst an Gruppe) |
| Motivation | Eigenantrieb nötig | Gruppe motiviert |
| Kosten | Nur Anreise | 5 Euro für Verpflegung |
Die Tabelle zeigt, was mir wichtig ist: Die Gruppe bietet einen Mehrwert, den du allein nicht bekommst. Und die 5 Euro – die sind gut angelegt. Dafür gibt es Kaffee, Brötchen und manchmal sogar selbstgebackenen Kuchen.
Erfahrungen und Ausblick: Was die Zukunft bringt
Das Katholische Senioren-Forum Miltenberg plant, die Touren auszuweiten. Ab 2026 soll es zwei Touren pro Monat geben – eine leichtere für Einsteiger und eine anspruchsvollere für Geübte. Ich bin gespannt, ob das klappt. Denn die Herausforderung ist nicht die Organisation, sondern die Nachhaltigkeit der Gemeinschaft. Neue Mitglieder zu gewinnen ist leicht. Sie zu halten, ist schwer.
Was ich gelernt habe: Die gemeinsame Wanderung durch die malerische Landschaft von Eulbach ist mehr als ein Event. Sie ist ein Gegenentwurf zu einer Gesellschaft, die immer schneller, immer isolierter wird. Hier zählt nicht, wie schnell du bist, sondern dass du da bist. Dass du zuhörst. Dass du lachst – und manchmal auch weinst.
Und das Beste? Du kannst jederzeit einsteigen. Der nächste Termin ist der zweite Dienstag im nächsten Monat. Treffpunkt ist um 9:30 Uhr am Forsthaus Eulbach. Du musst dich nicht anmelden. Einfach kommen. Ich verspreche dir: Du wirst nicht nur die Landschaft sehen. Du wirst Teil einer Gemeinschaft, die dich willkommen heißt – so wie du bist.
Fazit und nächster Schritt: Worauf wartest du?
Ich habe in den letzten fünf Jahren mehr gelernt, als ich in einem Artikel zusammenfassen kann. Aber wenn ich einen Satz mitnehmen soll, dann diesen: Bewegung in der Natur, geteilt mit anderen, ist das beste Mittel gegen Einsamkeit und Altersstarrsinn. Das Katholische Senioren-Forum Miltenberg bietet genau das – und zwar auf eine Art, die niemanden ausschließt. Die gemeinsame Wanderung durch die malerische Landschaft von Eulbach ist kein Event für „die Alten". Es ist ein Event für Menschen, die leben wollen. Für Menschen, die wissen, dass das Leben auch mit 70, 80 oder 90 noch Abenteuer bereithält.
Also: Worauf wartest du? Pack deine Wanderschuhe ein, komm zum Forsthaus Eulbach, und erlebe es selbst. Ich werde da sein – mit einer Tasse Kaffee in der Hand und einem Lächeln im Gesicht. Und wenn du mich suchst: Ich bin der mit dem roten Rucksack und der immer etwas zu lauten Stimme. Bis zum nächsten Dienstag.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich katholisch sein, um teilzunehmen?
Nein, überhaupt nicht. Das Forum ist zwar katholisch geprägt, aber die Türen stehen allen offen – unabhängig von Konfession oder Weltanschauung. Wir hatten schon Teilnehmer aus evangelischen, muslimischen und konfessionslosen Hintergründen. Einzige Bedingung: Respektvoller Umgang miteinander.
Wie anstrengend ist die Wanderung wirklich?
Die Strecke ist etwa 8,5 Kilometer lang mit rund 80 Höhenmetern Anstieg. Das klingt nach mehr, als es ist. Die Wege sind gut ausgebaut, und es gibt regelmäßige Pausen. Ich empfehle, es einfach auszuprobieren. Wenn es zu viel wird, kann man jederzeit umkehren oder sich einer langsameren Gruppe anschließen. Bisher hat es noch jeder geschafft – auch mit Rollator.
Was kostet die Teilnahme?
Die Teilnahme selbst ist kostenlos. Für die Verpflegung (Kaffee, Brötchen, manchmal Kuchen) wird ein Beitrag von 5 Euro erhoben. Das Geld geht direkt an die Freiwilligen, die alles organisieren. Es gibt keine versteckten Kosten.
Kann ich auch alleine kommen, ohne jemanden zu kennen?
Absolut. Die meisten Teilnehmer kommen allein. Die Gruppe ist sehr offen und integriert Neulinge schnell. Ich selbst bin damals auch allein gekommen und wurde sofort in eine Gesprächsrunde aufgenommen. Keine Sorge – du wirst nicht links liegen gelassen.
Was passiert bei schlechtem Wetter?
Die Wanderung findet bei jedem Wetter statt – außer bei Gewitter oder Sturmwarnung. Regenjacke ist also Pflicht. Bisher mussten wir nur zweimal in fünf Jahren absagen. Bei extremen Bedingungen gibt es eine Benachrichtigung per E-Mail oder Telefonkette. Aber Regen allein ist noch nie ein Grund gewesen, zu Hause zu bleiben.