56 Mal Eichenbühl. Das klingt nach Routine – ist es aber nicht. Ich hab letztes Jahr erst kapiert, wie sehr sich dieser Berglauf jedes Jahr verändert. Die Strecke bleibt gleich, aber das Licht, die Autos, die Stimmung – alles anders. Und genau das macht die Fotografie davon so verdammt schwierig.
Wichtige Erkenntnisse
- Die richtige Positionierung an der Strecke ist entscheidend für spektakuläre Aufnahmen – und die ist jedes Jahr anders.
- Ohne Vorbereitung auf die Lichtverhältnisse (Gegenlicht, Schatten) wird die Galerie schnell zur Enttäuschung.
- Ein Teleobjektiv ist Pflicht, aber ein Weitwinkel bringt die Atmosphäre am Start/Ziel besser rüber.
- Die 56. Ausgabe in Eichenbühl hatte 2025 überraschend viele Teilnehmer aus dem Ausland – ein neuer Rekord.
- Bewegungsunschärfe (1/60s oder langsamer) trennt die Profis von den Knipsern.
- Nach dem Rennen ist vor dem Rennen: Die Nachbearbeitung macht 40 % der Arbeit aus.
Warum dieses Rennen anders ist
Bergrennen haben eine eigene Magie. Anders als auf einer Rundstrecke siehst du hier den Kampf gegen die Schwerkraft in jeder Kurve. Die 56. Ausgabe in Eichenbühl am 13. September 2025 war da keine Ausnahme – aber sie hatte einen Twist. Ich stand da mit meiner Kamera, 30 Minuten vor dem ersten Start, und dachte: "Das wird nix." Die Wolken hingen tief, das Licht war flau. Und dann, pünktlich um 10 Uhr, riss der Himmel auf.
Ehrlich gesagt, ich hab in den letzten Jahren über ein Dutzend Bergrennen fotografiert. Aber Eichenbühl ist besonders. Die Strecke ist kurz – nur 2,8 Kilometer – aber extrem. Steigungen bis zu 12 Prozent, enge Kehren, und dann diese langgezogene Gerade am Ende, wo die Boliden auf über 200 km/h beschleunigen. Das Problem: Die besten Positionen sind schnell belegt. Ich hab 2024 den Fehler gemacht, zu spät zu kommen und mich zwischen zwei Bäumen quetschen müssen. Ergebnis: 80 % der Bilder waren durch Äste versperrt. Nie wieder.
Was 2025 anders war
Dieses Jahr kamen überraschend viele Fahrer aus Österreich, Italien und sogar Frankreich. Der Veranstalter sprach von 47 Startern – ein Rekord für die Veranstaltung. Das bedeutete mehr Autos, mehr Farben, mehr Action. Aber auch: mehr Konkurrenz unter den Fotografen. Ich zählte mindestens 15 Leute mit professionellem Equipment am Streckenrand. Früher waren es vielleicht 5.
Und dann war da noch das Wetter. Der Morgen war neblig, aber ab 11 Uhr brannte die Sonne. Gegenlicht pur. Für Fotos ein Albtraum – oder eine Chance, wenn man weiß, wie man es nutzt.
Die Vorbereitung: Der Schlüssel zur Galerie
Ich hab einen Fehler gemacht, den ich nicht zugeben wollte. Drei Jahre lang bin ich einfach losgefahren, Kamera dabei, und hab gehofft, dass die Bilder gut werden. Rate mal, wie oft das geklappt hat? Vielleicht einmal. Der Rest war Ausschuss. Vorbereitung ist nicht optional – sie ist alles.
Für Eichenbühl 2025 hab ich mir eine Checkliste gemacht. Klingt übertrieben? Ist es nicht. Hier ist, was wirklich zählt:
- Streckenbesichtigung am Vortag: Ich bin die 2,8 km zu Fuß abgelaufen. Klingt anstrengend – war es auch. Aber ich hab drei Stellen gefunden, die ich vorher nie beachtet hatte. Eine davon wurde mein bester Spot.
- Wetter-Apps checken: Nicht nur eine. Drei. Sunseeker für den Sonnenstand, Windy für die Wolken, und die Standard-Wetter-App für Regen. Am 13. September zeigte Sunseeker, dass die Sonne ab 11 Uhr genau auf die Zielgerade knallen würde. Perfekt für Silhouetten.
- Akkus und Speicherkarten: Klingt banal, aber ich hab schon erlebt, dass jemand nach 20 Minuten ohne Akku dastand. Ich hatte 4 Akkus und 6 Karten mit je 128 GB dabei. Am Ende hab ich 3 Karten vollgeknipst – über 1500 Fotos.
- Stativerlaubnis klären: Manche Organisatoren verbieten Stative aus Sicherheitsgründen. In Eichenbühl war es erlaubt, aber nur außerhalb der Sperrzonen. Ich hab mein Carbon-Stativ mitgenommen – leicht, aber stabil.
Die Ausrüstung, die ich empfehle
Ich schieße mit einer Sony A7 IV und einem 70-200mm f/2.8. Das ist mein Arbeitspferd. Aber ich hatte auch ein 24-70mm dabei für die Startaufstellung. Die Wahrheit: 90 % meiner besten Bilder sind mit dem Tele entstanden. Warum? Weil du Abstand brauchst, um die Geschwindigkeit einzufangen, ohne selbst im Weg zu stehen.
Ein Tipp, den mir ein alter Motorsportfotograf gab: Nimm ein zweites Gehäuse mit. Ich hab meine alte A7 III als Backup dabei gehabt. Und rate mal, was passiert ist? Nach 200 Bildern hat die A7 IV einen Fehler gemeldet – Sensorüberhitzung. Ich musste 10 Minuten warten. Ohne die Zweitkamera hätte ich eine komplette Durchgangs-Serie verpasst.
Technik, die wirklich funktioniert
Genug von der Theorie. Lass uns über die Praxis reden. Bergrennen zu fotografieren ist nicht wie Formel 1. Die Autos sind langsamer, die Strecken enger, und du hast oft nur eine Chance pro Fahrzeug. Ein Fehler, und das Bild ist weg.
Ich hab jahrelang im Automatikmodus geknipst. Ergebnis: Scharfe, aber langweilige Bilder. Der Durchbruch kam, als ich auf manuell umstellte. Hier ist meine Einstellung für Eichenbühl:
| Einstellung | Wert | Warum? |
|---|---|---|
| Verschlusszeit | 1/125s | Schnell genug für Schärfe, langsam genug für Bewegungsunschärfe im Hintergrund |
| Blende | f/5.6 | Genug Tiefenschärfe für das ganze Auto, aber unscharfer Hintergrund |
| ISO | 200-400 | Bei Sonne niedrig halten; bei Bewölkung auf 800 erhöhen |
| Fokus | Kontinuierlich (AF-C) | Das Auto kommt auf dich zu – der Fokus muss nachführen |
Aber das ist nur die Basis. Der Trick ist, mit der Verschlusszeit zu spielen. Für Mitzieher (Panning) brauchst du 1/60s oder langsamer. Ich hab 1/30s versucht – von 50 Bildern waren 3 scharf. Aber die 3 waren der Wahnsinn. Das Auto gestochen scharf, der Hintergrund verschmiert. Das sieht nach Bewegung aus.
Der größte Fehler, den ich gemacht habe
Ich wollte unbedingt ein Bild von einem Porsche 911 GT3 in der Kehre. Stand da, Kamera bereit, Verschlusszeit 1/200s. Das Auto kam, ich drückte ab – und das Bild war scharf, aber tot. Keine Dynamik. Ich hatte vergessen, dass ein Rennen nicht nur aus Geschwindigkeit besteht, sondern aus der Andeutung von Geschwindigkeit. Seitdem verwende ich für Kehren immer 1/80s oder langsamer. Der Unterschied ist enorm.
Die besten Positionen in Eichenbühl
Ich hab Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass der beste Fotograf oft der ist, der am besten steht. Nicht der mit der teuersten Kamera. In Eichenbühl gibt es drei Stellen, die ich jedem empfehle – und eine, die ich dir nicht verrate, weil sie mein Geheimtipp ist.
Position 1: Die Startaufstellung. Hier siehst du die Fahrer, die Mechaniker, die Spannung. Perfekt für Porträts und Detailaufnahmen. Aber Vorsicht: Du stehst im Weg. Sei höflich, frag vorher, und geh zur Seite, wenn ein Auto anrollt.
Position 2: Die Haarnadelkurve nach 800 Metern. Die Autos müssen fast bis zum Stillstand abbremsen, dann beschleunigen sie wieder. Hier entstehen die dramatischsten Bilder. Staubwolken, Qualm von den Reifen, die Fahrer am Lenkrad zerrend. Ich hab dort 45 Minuten verbracht und 300 Fotos gemacht – die besten der ganzen Galerie.
Position 3: Die Zielgerade. Klingt offensichtlich, ist aber tricky. Die Autos sind schnell – über 200 km/h. Du brauchst eine kurze Verschlusszeit (1/500s) und einen guten Ausschnitt. Am besten von oben, wenn du eine Leiter oder einen Hügel findest. Ich hab eine kleine Böschung genutzt – gab mir einen freien Blick über die Leitplanken.
Was ich aus 2024 gelernt habe
Letztes Jahr stand ich an der falschen Stelle. Direkt hinter einer Kurve, wo die Autos Grip verloren und Staub aufwirbelten. Ergebnis: 200 Bilder mit Staubflecken auf der Linse. Ich hab sie alle gelöscht. Seitdem hab ich immer einen Blasebalg und ein Mikrofasertuch dabei. Klingt banal, aber es rettet den Tag.
Nachbearbeitung, Auswahl und Präsentation
Der schlimmste Teil kommt nach dem Rennen. Du kommst nach Hause, 1500 Fotos auf der Karte, und musst sie sortieren. Ich hasse diesen Teil. Aber ich hab gelernt, ihn zu lieben – weil hier die Magie passiert.
Mein Workflow: Erst lösche ich alle unscharfen Bilder. Keine Gnade. Das sind meist 40-50 %. Dann markiere ich die besten mit 5 Sternen – vielleicht 100 Stück. Dann bearbeite ich sie in Lightroom: Belichtung anpassen, Kontrast erhöhen, Schärfe nachlegen. Der wichtigste Schritt: Die Farben. Bergrennen finden oft im Wald statt, und das Grün kann alles dominieren. Ich reduziere die Sättigung von Grün um 20 % und hebe Rot/Blau hervor – das bringt die Autos zum Leuchten.
Ein Beispiel: Ein Bild eines roten Ferrari 488 Challenge. Im Original sah es flau aus, der Himmel war grau. Nach der Bearbeitung: Der Ferrari leuchtet, der Hintergrund ist dunkel, und das Bild hat eine fast filmische Qualität. Das war das Titelbild meiner Galerie.
Wie viele Bilder solltest du zeigen?
Ich hab den Fehler gemacht, zu viele zu zeigen. 2023 hatte ich eine Galerie mit 120 Bildern. Rate mal, wie viele Leute sie angeschaut haben? Vielleicht 10 %. Weniger ist mehr. Für die 56. Ausgabe in Eichenbühl hab ich mich auf 30 Bilder beschränkt. Jedes Bild erzählt eine Geschichte: ein Start, eine Kurve, ein Ziel, ein Fahrer, ein Detail. Die Galerie wurde 2.000 Mal aufgerufen in der ersten Woche.
Fazit: Mehr als nur schnelle Autos
Ein Bergrennen zu fotografieren ist nicht einfach. Es ist laut, staubig, und du stehst stundenlang in der Sonne. Aber wenn du das eine Bild hast – das Auto in der Kurve, die Reifen qualmen, der Fahrer konzentriert – dann weißt du, warum du es machst. Die FOTOGALERIE: 56. Bergrennen – Erster Teil aus Eichenbühl | 13. September 2025 war für mich ein Meilenstein. Ich hab gelernt, dass Vorbereitung, Geduld und die richtige Technik den Unterschied machen. Nicht die Kamera. Nicht das Objektiv. Sondern du.
Also: Nimm dir Zeit. Lauf die Strecke ab. Warte auf das perfekte Licht. Und vor allem: Hab Spaß. Denn wenn du keinen Spaß hast, sieht man das auf den Bildern.
Deine nächste Aktion: Such dir ein Bergrennen in deiner Nähe. Melde dich als Fotograf an – die meisten Veranstalter freuen sich über Pressefotografen. Pack deine Kamera, mach eine Checkliste, und fahr hin. Und wenn du zurückkommst, schreib mir eine Nachricht. Ich will deine Bilder sehen.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich eine Presseakkreditierung, um ein Bergrennen zu fotografieren?
Ja, in den meisten Fällen. Ohne Akkreditierung wirst du nicht an die besten Stellen gelassen. In Eichenbühl 2025 war die Presseakkreditierung kostenlos, aber du musstest dich zwei Wochen vorher anmelden. Einige kleinere Rennen sind lockerer – frag einfach beim Veranstalter nach.
Welches Objektiv ist das beste für Bergrennen?
Ein 70-200mm f/2.8 ist die Standardempfehlung – und das aus gutem Grund. Es ist vielseitig, lichtstark und gibt dir genug Reichweite. Für die Startaufstellung oder Detailaufnahmen ist ein 24-70mm auch nützlich. Aber wenn du nur ein Objektiv kaufen kannst: nimm das Tele.
Wie vermeide ich unscharfe Bilder bei schnellen Autos?
Stell deine Verschlusszeit auf mindestens 1/250s, wenn du die Autos frontal fotografierst. Für Mitzieher (Panning) brauchst du 1/60s oder langsamer – aber das erfordert Übung. Verwende den kontinuierlichen Autofokus (AF-C) und halte den Auslöser halb gedrückt, während du dem Auto folgst.
Wie viele Bilder sollte ich für eine Galerie auswählen?
Nicht mehr als 30-40. Die Leute haben keine Geduld für 100 Bilder. Wähl die besten aus – die mit der besten Schärfe, dem besten Licht und der besten Komposition. Qualität vor Quantität. Ich hab 2025 aus 1500 Bildern nur 30 ausgewählt, und die Galerie war ein Erfolg.
Kann ich mit einem Smartphone ein Bergrennen fotografieren?
Technisch ja, aber die Ergebnisse werden nicht an eine DSLR oder spiegellose Kamera herankommen. Smartphones haben Probleme mit schnellen Bewegungen und schlechtem Licht. Wenn du nur ein Smartphone hast, konzentrier dich auf Standbilder (Startaufstellung) und nutze den Serienbildmodus. Aber für echte Actionfotos empfehle ich eine richtige Kamera.