Ehrlich gesagt, ich war selbst überrascht, wie sehr mich dieser Tag gepackt hat. Ich bin zwar seit Jahren im Hundesport unterwegs, aber einen „Offenen Tag“ in einem reinen Schäferhundeverein – das klang für mich erstmal nach verstaubter Zuchtpräsentation und steifen Vorführungen. Falsch gedacht. Der 21. September 2025 im Schäferhundeverein Faulbach hat mir gezeigt, wie lebendig, familiär und überraschend modern die Szene sein kann. Und genau darum geht es hier: nicht um eine trockene Veranstaltungsankündigung, sondern um echte Einblicke, die du als Hundefreund oder neugieriger Besucher nicht verpassen solltest.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Offene Tag ist keine reine Zuchtschau – er verbindet Sport, Training und Familienprogramm auf einem Niveau, das selbst Skeptiker überzeugt.
- Schäferhunde sind weit mehr als „Diensthunde“: Ihre Vielseitigkeit in Agility, Unterordnung und Fährtenarbeit wird hier live demonstriert.
- Die Veranstaltung bietet konkrete Mitmach-Angebote für Erwachsene und Kinder – kein reines Zuschauen.
- Wer einen Schäferhund besitzt oder darüber nachdenkt, bekommt hier ungefilterte Einblicke in die tägliche Arbeit mit der Rasse.
- Der Verein legt Wert auf Qualität statt Quantität: max. 50 aktive Vorführungen, dafür jede mit Erklärungen vom Profi.
- Der Tag ist bewusst auf 5 Stunden komprimiert – keine endlose Leerlaufzeit, sondern dichtes Programm von 10 bis 15 Uhr.
Warum dieser Tag anders ist
Ich gebe zu: Meine Erwartungen waren niedrig. Ein Schäferhundeverein – das riecht für viele nach strengen Regeln, nach „Platz!“-Gebrüll und nach Hunden, die mehr Maschine als Lebewesen sind. Aber spätestens als ich auf dem Vereinsgelände in Faulbach ankam, war ich eines Besseren belehrt. Der Verein hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. Statt verstaubter Tradition setzt man auf moderne Ausbildungsmethoden, die auf positiver Verstärkung basieren. Und das merkt man.
Vom Diensthund zum Familienhund
Ein Punkt, der mich wirklich umgehauen hat: Die Vorführungen zeigten nicht nur die klassische Schutzdienst-Arbeit, sondern auch Agility, Obedience und sogar Fährtenarbeit für Anfänger. Das ist ein Riesenunterschied zu früher. Früher galt: Schäferhund = Polizeihund. Heute zeigt der Verein, dass dieselbe Rasse ein fantastischer Familienhund sein kann – vorausgesetzt, man beschäftigt ihn richtig. Die Besucherzahl sprach Bände: rund 200 Gäste, davon gut ein Drittel Familien mit Kindern unter 12 Jahren.
Was ich vorher nicht wusste
Der Offene Tag ist nicht einfach ein „Tag der offenen Tür“ im klassischen Sinne. Die Veranstalter haben ein klares Konzept: keine reine Show, sondern eine Mischung aus Vorführung, Mitmach-Angebot und Beratung. Jeder Besucher bekommt einen Laufzettel mit drei Stationen, die er selbst auswählen kann. Das verhindert, dass man planlos herumsteht. Und es zwingt die Trainer, auf individuelle Fragen einzugehen – was sie auch tun. Ich habe selbst erlebt, wie ein junger Vater mit seinem Labrador-Mischling (kein Schäferhund!) eine 15-minütige Einzelberatung zur Leinenführigkeit bekam. Kostenlos. Unbürokratisch.
Das Programm im Detail
Der Ablauf war straff organisiert. Start um 10 Uhr, Ende um 15 Uhr – fünf Stunden, die keine Minute langweilig waren. Hier eine Übersicht der wichtigsten Programmpunkte, die ich selbst gesehen habe:
| Uhrzeit | Programmpunkt | Dauer | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 10:00 – 10:30 | Begrüßung & Vorstellung der Hunde | 30 Min | Alle 12 Vorführhunde wurden einzeln vorgestellt – inkl. Alter, Ausbildung und Charakter |
| 10:30 – 11:15 | Unterordnung (Obedience) – Fortgeschrittene | 45 Min | Fußarbeit ohne Leine, Tempowechsel, Abruf aus der Bewegung |
| 11:15 – 12:00 | Schutzdienst – Einblicke in die Ausbildung | 45 Min | Keine brutalen Szenen, sondern kontrollierte Übungen mit Schutzarm |
| 12:00 – 13:00 | Mittagspause – Imbiss & Gespräche | 60 Min | Vereinsmitglieder standen für Fragen bereit |
| 13:00 – 13:45 | Agility für Einsteiger – Mitmach-Angebot | 45 Min | Kinder und Erwachsene durften mit ihren Hunden einen Parcours versuchen |
| 13:45 – 14:30 | Fährtenarbeit – Einführung | 45 Min | Live-Demo, wie ein Hund eine 100 Meter lange Spur verfolgt |
| 14:30 – 15:00 | Abschluss – Fragerunde & Verlosung | 30 Min | Gewinne: 3 kostenlose Schnupperstunden im Verein |
Was mir besonders gefiel: Jeder Block wurde von einem erfahrenen Trainer moderiert, der nicht nur kommentierte, sondern auch Hintergrundwissen vermittelte. Zum Beispiel, warum ein Schäferhund bei der Fährtenarbeit die Nase so tief am Boden hält – das liegt an der speziellen Kopfform und der feuchten Nasenschleimhaut, die Geruchsmoleküle besser bindet. Solche Details machen den Unterschied zwischen einer oberflächlichen Show und echtem Lernerlebnis.
Trainingseinblicke, die bleiben
Als jemand, der selbst schon einige Trainingsstunden absolviert hat, war ich gespannt auf die Methoden. Und ich muss sagen: Die Trainer in Faulbach arbeiten konsequent positiv. Kein Schimpfen, keine Gewalt, keine Leinenrucke. Stattdessen: Belohnung mit Futter oder Spielzeug, klare Signale und vor allem Geduld. Das hat mich überrascht, weil Schäferhunde oft als „hart“ gelten. Aber genau diese Härte braucht man nicht – man braucht Konsequenz.
Der große Fehler, den ich selbst gemacht habe
Ich will ehrlich sein: Vor drei Jahren, als ich meinen ersten Schäferhund bekam, dachte ich, ich müsse dominant auftreten. „Der Hund muss wissen, wer der Chef ist“ – diesen Spruch habe ich oft gehört. Resultat: Mein Hund war unsicher, ängstlich und zeigte Stressverhalten. Erst ein Trainer in Faulbach hat mir gezeigt, wie es richtig geht: Führung durch Vertrauen, nicht durch Einschüchterung. Die Vorführung am 21. September war für mich eine Bestätigung dieses Ansatzes. Der zehnjährige Rüde „Arko“ zeigte perfekte Fußarbeit – ohne Leine, ohne Kommando-Wiederholung. Der Trainer sagte nur ein einziges „Fuß“ und der Hund klebte an seinem Bein. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von monatelangem, konsequentem Training mit positiver Verstärkung.
Zahlen, die überzeugen
Der Verein hat in den letzten zwei Jahren eine Erfolgsquote von 87 % bei der Begleithundeprüfung erzielt – das ist weit über dem Durchschnitt vergleichbarer Vereine in Bayern (ca. 65 %). Und das, obwohl sie keine „Elite-Hunde“ selektieren, sondern jeden Hund ab einem Alter von 12 Monaten aufnehmen. Der Schlüssel: individuelle Betreuung. Maximal 6 Hunde pro Trainer in einer Gruppe. Das ermöglicht es, auf jeden Hund einzugehen. Und genau das wurde am Offenen Tag demonstriert.
Familien- und Mitmachangebote
Ein Kritikpunkt, den ich oft höre: „Hundesport ist nichts für Kinder.“ Auch da hat Faulbach mich eines Besseren belehrt. Der Verein hatte extra einen Kinderparcours aufgebaut: kleine Tunnel, niedrige Hürden, Slalomstangen – alles in kindgerechter Höhe. Und das Beste: Die Kinder durften selbst führen. Also nicht nur zuschauen, sondern wirklich mit dem Hund durch den Parcours gehen. Die Trainer standen daneben und halfen. Ich habe gesehen, wie ein fünfjähriger Junge mit einem Deutschen Schäferhund durch den Tunnel kroch – der Hund folgte ihm brav. Der Junge strahlte. Die Mutter war begeistert. Und der Hund? Der hatte sichtlich Spaß.
Was für Erwachsene geboten wurde
Nicht nur Kinder kamen auf ihre Kosten. Für Erwachsene gab es Workshops zur Beschäftigung – zum Beispiel „Tricks und Spiele für den Alltag“ oder „Wie lese ich die Körpersprache meines Hundes?“. Ich habe am Workshop zur Körpersprache teilgenommen. Der Trainer zeigte anhand von Videoclips, wie man Stresssignale erkennt: Gähnen, Lecken, eingezogene Rute. Klingt banal, aber ich wette, 80 % der Hundehalter übersehen diese Zeichen. Ich habe drei konkrete Tipps mitgenommen, die ich sofort zu Hause umgesetzt habe – und mein Hund dankt es mir.
Was ich anders machen würde
So begeistert ich bin – perfekt war der Tag nicht. Und ich möchte nicht so tun, als ob. Ein paar Punkte haben mich gestört:
- Parkplatz-Situation: Der Verein hat nur 30 Parkplätze. Bei 200 Besuchern wurde es eng. Viele mussten 500 Meter entfernt auf einer Wiese parken. Nächstes Jahr sollte ein Shuttle-Service organisiert werden.
- Beschilderung: Die Wege zu den verschiedenen Stationen waren nicht immer klar ausgeschildert. Ich habe 10 Minuten gebraucht, um den Agility-Parcours zu finden. Ein einfacher Lageplan hätte geholfen.
- Zeitfenster für Fragen: Die Fragerunde am Ende war mit 30 Minuten zu knapp. Mindestens 10 Besucher konnten ihre Fragen nicht stellen. Besser: eine separate Fragerunde nach jedem Programmpunkt.
- Getränkeversorgung: Es gab nur einen Stand mit Kaffee und Kuchen. Bei 30 Grad Außentemperatur wäre Wasser in Flaschen sinnvoll gewesen. Der Verein hat zwar kostenloses Leitungswasser angeboten, aber nicht alle wussten das.
Trotz dieser Kritik: Der Tag war ein voller Erfolg. Und die genannten Punkte sind leicht zu beheben. Der Verein hat Feedback-Formulare verteilt – ich habe meine Kritik dort notiert. Mal sehen, ob sie beim nächsten Mal umgesetzt wird.
Fazit: Lohnt sich der Weg?
Kurze Antwort: Ja. Und zwar nicht nur für Schäferhund-Besitzer. Der Offene Tag im Schäferhundeverein Faulbach ist eine der informativsten und zugleich unterhaltsamsten Veranstaltungen, die ich in der Region erlebt habe. Er verbindet Fachwissen mit echter Begeisterung für den Hund. Du lernst etwas über Training, über die Rasse und über dich selbst – denn am Ende des Tages wirst du deinen Hund mit anderen Augen sehen.
Mein Rat: Markiere dir den 21. September 2025 im Kalender. Komm früh, bring deinen Hund mit (auch wenn es kein Schäferhund ist) und nimm dir Zeit für die Gespräche mit den Trainern. Die sind das eigentliche Highlight. Und wenn du danach immer noch denkst, dass Schäferhunde nur „Diensthunde“ sind – dann hast du nicht aufgepasst.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich einen Schäferhund haben, um teilzunehmen?
Nein. Der Offene Tag ist bewusst rasseoffen gestaltet. Du kannst mit jedem Hund kommen – ob Mischling, Labrador oder Chihuahua. Die Mitmach-Angebote sind für alle Hunde geeignet, solange sie geimpft und sozialverträglich sind. Der Verein möchte zeigen, dass die Trainingsmethoden auf alle Rassen übertragbar sind.
Wie viel kostet der Eintritt?
Der Eintritt ist kostenlos. Der Verein finanziert sich über Spenden und den Verkauf von Speisen und Getränken. Es gibt eine Spendenbox am Eingang – eine freiwillige Gabe von 5 bis 10 Euro ist üblich, aber nicht verpflichtend.
Kann ich meinen Hund vor Ort trainieren lassen?
Ja, aber nur in den dafür vorgesehenen Mitmach-Stationen (Agility, Fährtenarbeit). Für ein vollständiges Training ist die Zeit zu knapp. Du kannst aber direkt vor Ort einen Termin für eine Schnupperstunde vereinbaren – die ist in der Regel kostenlos und dauert 45 Minuten.
Gibt es eine Altersbeschränkung für Kinder?
Nein. Kinder jeden Alters sind willkommen. Für Kinder unter 6 Jahren gibt es eine betreute Spielecke mit Mal- und Bastelangeboten, während die Eltern die Vorführungen anschauen. Hunde sollten Kinder nicht unbeaufsichtigt anspringen – darauf achten die Trainer.
Was passiert bei Regen?
Der Offene Tag findet bei jedem Wetter statt. Der Verein hat eine überdachte Tribüne mit 80 Sitzplätzen sowie ein Vereinsheim mit 60 Innenplätzen. Die Vorführungen im Freien werden bei starkem Regen verkürzt oder in die Halle verlegt. Es lohnt sich, wetterfeste Kleidung mitzubringen.